Ivory

In den frühen Tagen der Montanindustrie gab es keine elektronischen Messgeräte, um Informationen aus der Umwelt zu erfassen und diese für den Menschen darzustellen. Damit die Bergarbeiter in neue Grubenfelder vordringen und vor sogenannten ‚matten Wettern’ (sauerstoffarme Luft) gewarnt werden konnten, stellte sich der Kanarienvogel als effektives lebendiges Messgerät heraus. Mit der aufsteigenden Industrie erkannten die Vogelzüchter das Potenzial des Kanarienvogels und trainierten die Hähne mit Gesang. So wurde der Kanarienvogel zu einem lebenswichtigen Begleiter, um die Bergarbeiter vor einer Vergiftung mit Kohlenmonoxid zu schützen. Erst im Jahr 1996 wurde der letzte Kanarienvogel durch ein elektronisches Messgerat ersetzt.

In dieser Arbeit wurde das historische „Messgerät Kanarienvogel“ als Metapher genutzt, um einen elektronischen Kanarienvogel als Benutzerschnittstelle zu entwickeln. Anstelle von Kohlenmonoxid, misst der Vogel Feinstaubpartikel mit einem aerodynamischen Durchmesser von 2.5 µm.  Bleiben die Messwerte in einem guten bis moderaten Bereich, dann ’singt’  und ‚atmet‘ der Vogel. Werden die Grenzwerte allerdings überschritten, so verstummt der Vogel und hört auf zu agieren. Um den Schlafmodus zu aktivieren, kann der Vogel mit einem Tuch verdeckt werden.

Ivory, der elekronische Kanarienvogel — wurde in dem Themenfeld ‘Smart Object & User Interface‘ entwickelt und ist ein Projekt von Jessica Broscheit in Kooperation mit Benjamin Salewski.

 

IVORY: A Tangible Interface to Perceive Human-Environment Interrelationships
Jessica Broscheit, Susanne Draheim, Kai von Luck; The Thirteenth International Conference on Tangible, Embedded, and Embodied Interaction, Tempe, Arizona, USA, 2019.

 

 

 

Jessica Broscheit

Jessica Broscheit

Wissenschaftliche Mitarbeiterin / M.A. Next Media

Jessica Broscheit forscht an der Schnittstelle von Design, Technologie und Wissenschaft. In ihren Arbeiten setzt sie sich mit der Ästhetik von Technologie, sowie der multisensorischen Wahrnehmung von Daten auseinander. Inhaltlich interessiert sie sich für die kritische Auseinandersetzung von gesellschaftlichen Themen und ihren technologischen Implikationen, die sie nicht nur in ihren Artefakten zum Ausdruck bringt, sondern diese Herangehensweise auch für den interdisziplinären Wissenstransfer in Workshops nutzt.  Mail   M.A. Thesis   Web
Benjamin Salewski

Benjamin Salewski

B.Sc. Informatik

Benjamins Bachelorarbeit handelt von selbstauskunftsfähigen Objekten am Beispiel einer Zimmerpflanze. Seine Arbeitsbereiche sind Smart Objects und Gesichtserkennung.
B.Sc. Thesis

Susanne Draheim

Susanne Draheim

Geschäftsführende Leitung

Studium Erziehungs- und Angewandte Kulturwissenschaften (Universität Lüneburg), 2011 Promotion in Soziologie (TU Dresden). Ihre Arbeitsbereiche umfassen Laborleitung, Format- und Methodenentwicklung, Einwerbung und Koordination von Drittmittelprojekten. Trans-/ Interdisziplinäre Projekte, Critical Theory & Design, Human Computer Interaction, Qualitative Forschungsmethoden. Mail   Publikationen   Web

Kai von Luck

Kai von Luck

Leitung

1985 Promotion (Universität Hamburg), 1989 Habilitation (TU Berlin). Seit 1992 Professor für Informatik an der HAW Hamburg. Zu seinen Schwerpunktthemen gehören Künstliche Intelligenz, Ambient Intelligence, Smart (Seamless) Interaction, Human Computer Interaction.
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